Mein Leben in der U-Bahn

Jeden Tag fahre ich mindestens zweimal mit der U-Bahn irgendwohin. Und da kann es schon mal vorkommen, dass einem die seltsamsten Dinge passieren!

In der U-Bahn fahren die uNuernberg Hauptbahnhofnterschiedlichsten Menschen mit. Da gibt es die Telefonierer – in regelmäßigen Abständen werden die Gespräche durch Funklöcher gestört, was zu Ausrufen führt, wie „Hallo? Hallo? Hörst du mich noch? Wenn nicht, ist grad der Empfang weg. Haaallooo?“. Dann gibt es Fahrgäste, die die Zeit nutzen, um verpassten Schlaf nachzuholen. Erkennbar an ein gesackter Körperhaltung, leisem Röcheln bis lauterem Schnarchen. Nicht zu verwechseln mit den Partylöwen, deren Feier erst wenige Minuten vorher zu Ende war. Körperhaltung und Laute ähneln sich zwar, treten allerdings in Kombination mit starkem Körpergeruch auf. Da ist somit der Unterschied zu den Schlafern. Hat der schlafenden Fahrgast Glück, sitzt ein Stiller in seiner Nähe und gestattet den ruhigen Schlaf. Hat der Schlafer Pech, werden die Fahrgeräusche von den Musik-Hörern musikalisch untermalt.

Die Musik-Hörer begnügen sich im Idealfall mit dem Genuss der Klänge über Kopfhörer. Sie wippen entweder rhythmisch den Fuß zur Musik, summen leise mit oder meditieren scheinbar dahin, während sie blechernen Rock oder piepsig-hohen Pop-Liedern lauschen. The Worst Case: Musik hören über die Handylautsprecher, bis zum Anschlag aufgedreht, mitgegröle und bei Gruppenauftreten Tanzeinlagen.

Außerdem sind da noch die Leser. Die Leser zu beobachten ist immer recht amüsant, denn man kann an ihrer Mimik erkennen, wie spannend sie das Buch wirklich finden!

Ein U-Bahn-Wagen mit dieser Fahrgast-Kombination dürfte noch erträglich sein. Da gibt es aber noch die Mitfahrer, die sich unterhalten. Diese Unterhaltungen können von amüsanten bis zu erschütternden Themen haben. Manche Unterhaltungsfetzen kommen in Form von Theorien zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen daher: „Weißt du, ich versteh das alles nicht. Wozu das alles? Weil, ey, Deutschland ist doch gar kein Deutschland mehr. Das ist Multi-Kulti-Land. Ja, weil, weißt du, in Deutschland leben 80 Prozent Ausländer und die restlichen 20 Prozent sind nur noch die Deutschen. Also warum soll ich denn Deutsch lernen? Versteht mich doch eh keiner.“ (Quelle: unbekannte jugendliche Mitfahrerin auf meinem Weg nach Hause. Da soll noch mal einer sagen, die Jugend von heute macht sich gar keine Gedanken mehr!)

 

Und nun zum aktuellsten Erlebnis.

Ich gehöre zu den meditierenden Musik-Hörern. Und während ich den abwechselnd blechernen und piepsig-hohen Tönen lausche, denke ich, dass ich mich auf Mittwoch Abend freue, wenn die Zwischenprüfung geschrieben und mein Abendessen gekocht ist. Im gleichen Augenblick meldet sich mein Magen, der sich über diese nervösen Tage beschwert und meldet „Übelkeit“. Kaum fertig gedacht, halten wir an der nächsten Station und eine kleine, rundliche Frau mit schiefen Zähnen, zerzaustem Haar und einem warzenähnlichen Fleck auf der Wange tritt auf mich zu: „Beim Kuchlbauer. Underm Stein. Ich hab all’s aufgschriebn“, ihr knubbeliger Zeigefinger wackelt vor meiner Nase. „Beim Kuchlbauer. Da steht’s geschriebn. Ich hab’s allen g’sagt. Die Giftmorde! Die Giftmorde, hab ich all’s aufgschriebn underm Stein!“ Die U-Bahn-Tür ging zu und die „Hex“ war weg.

Wie ich reagiert habe? Auf diese Aussagen? Ich hab komisch gegrinst, genickt und „alles klar“ gesagt. Und wer auch immer der Meinung ist, es gibt keine Hexen, dem kann ich seit heute widersprechen. Da bin ich sicher 😉


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