Ich habe einfach meinen Rucksack gepackt

… und bin nach Verona gefahren.

Packen, Zugticket buchen, Zimmerpflanzen gießen – Das waren die 3 Punkte auf meiner Liste. Ich stand vor meinem Kleiderschrank und griff zu den sommerlichen Sachen. 1 Rock, 1 Short, 3 T-Shirts, Sandalen und 1 Paar Turnschuhe – um das Nötigste ergänzt und fertig. Alles andere wird sich schon finden, dachte ich.

Am Nürnberger Hauptbahnhof angekommen, suchte ich mein Gleis und besorgte mir auf dem Weg dorthin Proviant bei Coffee Fellows. Ich mag diese Franchise-Kaffee-Lädchen wirklich! Am liebsten bestelle ich einen großen Cappucino und dazu einen Bagel.

Los geht es! Einen Umstieg hatte ich, in München. Danach standen mir 6,5 Stunden Zugfahrt bevor in einem Eurocity. Ich habe mir einen Sitzplatz in einem Abteil reserviert. Ich finde, das ist angenehmer. Man hat mehr Beinfreiheit und Platz für das Gepäck. Außerdem sind die EC-Züge noch nicht erneuert und das weckt in mir immer eine gewisse Reise-Nostalgie.

Ich teilte mir das Abteil mit einer Frau in meinem Alter, sie heißt Dascha. Geboren in Polen, studiert in Köln, jobbt in Belgien und München und lebt ansonsten in Bozen. Mit großen Augen hörte ich ihr zu und stellte mir so ein Leben spannend vor! Doch im Laufe des Gespräches wird klar, dass es nur zum Teil spannend ist. Der Zeitdruck, die Verspätung von Zügen, unzuverlässige Mitfahrgelegenheiten und die hohen Fahrtkosten. Das sind die weniger romantischen Seiten ihres Lebens.

Sie fragte, wie ich lebe. Wie ich so von meinem Leben erzähle, stellte ich fest, dass auch ich pendle. Mein Lebensmittelpunkt ist zwar im Moment in Nürnberg. Aber regelmäßig fahre ich nach Mondfeld, nach Würzburg oder sonst wo hin um jemanden zu besuchen und etwas zu unternehmen. Sie sagte, dass sie mich beneide, denn ich hätte aus ihrer Sicht ein ruhiges und bodenständiges Leben mit genug Abwechslung, dass es spannend ist. Sie findet, ich habe zwei Orte, an denen ich zuhause bin. In der mittelfränkischen Großstadt und im kleinen Dorf am Main. Wir saßen eine Weile schweigend und sehen aus dem Fenster, wie die Landschaft an uns vorbei zieht. Schon längst haben wir die Alpen erreicht und gondelten nun durch Südtirol. Kurz bevor sie aussteigt, tauschen wir unsere Handynummern aus. Sie gab mir noch ein paar Tipps, was ich in Verona nicht verpassen sollte und stieg in Bozen aus.

Es dämmert schon als mein Zug in Verona einfährt. Da stand ich nun mit meinem Rucksack, müde und voller Freude. Es dauerte nicht lang, bis ich von meinem Lebensgefährten und seinem italienischen Kollegen abgeholt wurde. Mein Lebensgefährte hatte beruflich dort zu tun und im Grunde nur Zeit für gemeinsames Frühstücken und Abendessen. Die Tage hatte ich für mich.  So ergab sich die Gelegenheit, in San Bonifacio, das ist ungefähr 30 Kilometer entfernt von Verona, sehr günstig zu übernachten für ein Wochenende.

San Bonifacio ist eine Gemeinde zwischen Verona und Vicenza. Wenn man in das Örtchen fährt, bekommt man den Eindruck, dass es ein kleines Dorf ist. Es sind aber über 21 Tausend Einwohner dort gemeldet! Der Bahnhof von diesem verschlafenen Ort, ist eine Haltestelle auf der Bahnstrecke Mailand-Venedig. Und Verona liegt ebenfalls auf dieser Strecke. So bin ich sehr einfach nach Verona gekommen, ohne mich auf die italienischen Autofahr-Gewohnheiten einstellen zu müssen.

Der Aufgang zum Bahnhof erinnerte mich an Berlin und viel weniger an eine Urlaubsregion.

Nur 30 Minuten dauerte die Fahrt, so dass ich zum späten Frühstück bereits in Verona war.  In wenigen Minuten erreichte ich zu Fuß die Innenstadt. Das Wetter war sommerlich und so spazierte ich einfach drauf los.

Die erste Sehenswürdigkeit, ist gleich die imposanteste: Arena di Verona. Wikipedia verrät mir, dass es ungefähr 30 nach Christus erbaut worden sei und das zweitgrößte seiner Art ist.

Hineingegangen bin ich nicht. Mir hat der Anblick von außen gereicht! So beeindruckend! Mein nächstes Ziel, ist ein ganz typisches Touristenziel. Als geheime Romantikerin, musste auch ich diesen Ort ansteuern: Der Balkon von Julia bzw. Casa di Guilletta.

Etwas ernüchternd fand ich jedoch, die Menschenmassen und die Unmengen gekauter, alter Kaugummis. Ein kleiner Store direkt nebenan, bietet die verschiedensten Souvenirs an. Von Shakespeer-Büste bis hin zu bestickten Kochmützen.

Neben diesen berühmten Sehenswürdigkeiten, bietet Verona auch eine Auswahl an Geschäften. Nach einer Portion Pasta, bin ich shoppen gegangen. Wie jede Frau, denken sicher die männlichen Leser. Ich finde, in Italien kann man die besten Schuhe kaufen! Und es war heiß, ich brauchte dringend Sandalen.

Erst spät am Abend bin ich zurück nach San Bonifacio gefahren. Ich konnte kaum schlafen, denn Verona ist eine Stadt, die Eindrücke hinterlässt. Und obwohl ich diese Reise im Grunde allein gemacht habe, hat mir nichts gefehlt.

Wer sich für das Allein-Reisen interessiert, dem kann ich diesen Blog empfehlen: flügge  Die Autorin Susanne gibt Inspiration, motiviert und wischt alle Gegenargumente weg!

 

 

 


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