Mit einem Schöpflöffel unter dem Hut

Es ist doch noch ein bisschen Sommer in diesem Jahr! Schon beim Frühstück bin ich unruhig und überlege hin und her, wie ich diesen sonnigen Sonntag auskoste. Ein Tag am See, im Schwimmbad, auf dem Balkon mit Buch oder doch eine kleine Wanderung?

Das Wildbachtal habe ich schon eine Weile auf meiner Liste, denn es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft und ist somit schnell erreichbar. Also gut, Wanderschuhe an, Sonnencreme ins Gesicht, Rucksack packen und los geht es! Mit meinem Mann im Schlepptau, der heute den Rucksack trägt, geht es von Mondfeld nach Boxtal. Die Tour suche ich mit der App Outdoor Active heraus. Rundwanderweg 02 heißt die Tour und ist 13,4km lang. Schon bei der ersten Gelegenheit lassen wir uns von einem Ausblick ablenken. Zwischen den Apfelbäumen wandert der Blick durch das Tal, es duftet nach reifen Äpfeln und Gras. Rot und Grün leuchten die Früchte an den Bäumen und schon viele liegen um die Stämme herum.

Apfelbaumwiese

Wir sind noch so abgelenkt, dass wir links anstatt rechts abbiegen und darum die Tour umgekehrt gehen als in der App beschrieben. Wir treffen unterwegs auf den Oberen Ebersweg, der an einigen Stellen wohl schon lange nicht mehr benutzt wurde. Brennesseln und Gräser stehen hüfthoch, Dornengestrüb hängt tief und Äste sind auf Augenhöhe. Mit einigen Schrammen und Nesselbläschen kommen wir durch das Dickicht und weichen Morast und Pfützen aus. Vor kurzem waren hier wohl Wildschweine unterwegs! Der ganze Weg wird von Eicheln gesäumt.

Als wir später auf dem Hirschbrünnelesweg sind, entdecken wir einen Schädel von einem Reh. Ein Foto davon habe ich mir erspart. Nach einigen Metern entlang des Turmweges, stehen wir tatsächlich vor einem Aussichtsturm. Ich frage mich, ob die Wegnamen eine tiefere Bedeutung haben…

Aussichtsturm Boxtal

Hier treffen wir das erste Mal seit wir in den Wald eingebogen sind auf Menschen. Eine Familie mit Kindern klettert auf den Turm und macht dort Rast. Wir haben mittlerweile auch einen kleinen Hunger und sind neugieirig, was sich am Ende der Treppe befindt, die sich gegenüber vom Turm nach oben befindet:

Treppauf

Oben angekommen, entdecken wir: Nichts. Ein Baumstumpf und ein Stein bieten uns Sitzgelegenheit. Während wir dem Kinderlachen hinter uns lauschen bemerken wir Ameisen, die fleißig unsere Krümel davon tragen. Es werden immer mehr Ameisen und fasziniert beobachten wir, wie die Insekten Brotkrümel um Brotkrümel von dannen tragen in die verschiedensten Richtungen.  Beim hinunter gehen der Stufen, stellen wir fest, dass der kleine Hügel komplett von Ameisen bewohnt zu sein scheint. Wenn man sich konzentriert, kann man die abertausenden Beinchen hören, die auf dem trockenen Laub trippeln. Hier und da entdecken wir eines unserer Krümel.

Wir gehen weiter, einen breiten und trockenen Weg. Beobachten das Lichtspiel der Sonne zwischen den Bäumen und begegnen hier und da doch noch weiteren Spaziergängern. Es ist nicht mehr weit bis Rauenberg.

Im Vorfeld habe ich mich über den Rundweg gar nicht informiert. Weder über die anzutreffenden Sehenswürdigkeiten noch über die Beschaffenheit der Strecke. Das macht die heutige Tour ein bisschen interessanter.

Hinter einer Kurve entdecken wir erst ein Hinweisschild und dann lernen wir auch noch den Hoi-Hopp kennen. Ein wunderlicher Geselle mit einem Schöpflöffel unter dem Hut. Eine Tafel erklärt die Sage:

 

Ich mag das Wortspiel: „mit dem Schöpfer über mir“. Über diese Sage sinierend wandere ich weiter und überlasse meinen Mann seinen eigenen Gedanken. Wir durchqueren Rauenberg und freuen uns nach der prallen Sonne im Ort, als wir wieder in den Wald kommen. Mittlerweile haben wir schon zahlreiche Insekten beobachtet: Ameisen, Mistkäfer, Bienen und Hummeln, Schmetterlinge und Falter. Der Weg ist gerade wieder sehr morastig als ich eine Zecke beobachten kann, wie sie sich den Weg auf dem Arm meines Mannes sucht. Unsere nächste Rast machen wir an Ort und Stelle und sammeln 12 Zecken! Zum Teil so winzig, dass sie schwer zu sehen sind. Wie das so ist, kribbelt es jetzt über all und ständig bleiben wir stehen, weil wir uns weitere Krabbeltiere auf Armen und Beinen einbilden. Nach einer halben Stunde, ich bin etwas genervt, bleibt mein Mann wieder stehen und schmipft, was jetzt schon wieder am Bein kitzelt! Diesesmal beschert uns der Wald jedoch etwas schmückendes Kraut und lachend gehen wir weiter, die Blume bleibt am Schuh.

 

Es war genau der richtige Zeitpunkt, denn nun ist unsere Wahrnehmung wieder auf die Natur um uns herum gelenkt. Wir entdecken Pilze in den verschiedenstens Farben, Größe und Formen und genießen bei einer Lichtung erneut den Blick über das Tal in Richtung Mondfeld.

Kurz bevor wir wieder den Feldweg Richtung Zuhause erreichen, bauen wir ein Steinmännchen weiter und werden von einer einzeln stehende Orchidee überrascht. Ganz allein und kräftig blühend steht sie am Wegesrand zwischen Blättern und Büschen.

Zuhause angekommen stellen wir fest, dass wir eine viel längere Tour gemacht haben, als die App angekündigt hat: 19.3km! Die Sonne steht schon recht tief, wir haben gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging. Die vielen kleinen Pausen und mit viel Entspanntheit sind wir heute gewandert.

Die Beine sind müde, der Kopf ist erholt – so ein schöner sonniger Sonntag.

 

 

 

 


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