Es könnte so einfach sein! Kooperationen zwischen Bloggern und Unternehmen

Eines Tages, möglicherweise jedoch nie, werde ich dich um eine kleine Kooperation bitten.

Heute hab ich was zu meckern. Nein, eigentlich stimmt das so nicht. Trotzdem bin ich etwas genervt von den Blogbeiträgen à la „schon wieder eine unmögliche Kooperationsanfrage“ oder „die fünf schlechtesten Anfragen von Unternehmen“ oder „nicht mal meine Email-Adresse wurde korrekt verwendet“.

Ja, das verstehe ich. Wer schon einmal im Vertrieb gearbeitet hat weiß, wie wichtig Vorbereitung vor der ersten Kontaktaufnahme ist. Gleiches erleben auch Redakteure der großen und kleinen Verlage mit Presseabteilungen sowie umgekehrt.

Im Grunde sind Anfragen für Kooperationen gleich zu setzen mit dem klassichen Verkaufen per Mail oder Telefon. Mit einem Unterschied: Wenn ich eine potentielle Kundengruppe recherchiere, liefern mir die Webseiten der Firmen sofort Informationen zu Größe, Zielmarkt und Zielgruppe. Bei Bloggern finde ich ein so genanntes Mediakit, in dem maximal ein paar Reichweitenzahlen aufgeführt sind.

Bei Verlagen finde ich in einem echten Mediakit alles: Zielgruppe, Themenschwerpunkte und etliche Zahlen zur Verbreitung, Frequenz der Titel und sauber aufgelistet, wen und wie ich zu welchem Bereich im Unternehmen kontaktieren kann.

Ich finde Blogs und Verlage sind sehr ähnlich. Es geht um Informationen zu Produkten, Geschehnissen und Märkte, Meinungen und reichlich Bildmaterial. Manche Blogger, mit denen ich Kontakt hatte, belächeln Verlage und lassen geringschätzige Äußerungen fallen. Von einem Verlag habe ich bisher noch keine Geringschätzung gegenüber Bloggern erlebt. Im Gegenteil, sie stellen zum Teil Blogger als Mitarbeiter ein!

Erst gestern habe ich auf der Fanpage einer Marke, die ich betreue eine Anfrage von einer Bloggerin bekommen, die weder den Grammatik- noch Rechtschreib- und schon gar nicht den simpelsten Höflichkeitsregeln folgt. Das war kurz vor Feierabend. Es war heiß gestern. Ich war müde und hatte Hunger und der nächste Termin wartete schon auf mich. Wie habe ich reagiert? Genervt? Arrogant?

Weder noch. Ich habe mich für die Anfrage bedankt und erklärt, dass wir gern mit Bloggern arbeiten. Dann habe ich gefragt, in welcher Form sie sich eine Kooperation vorstellt. Vermutlich kommt da nie wieder eine Antwort. Vielleicht aber doch und dann könnte es eine schöne Zusammenarbeit werden.

Was ist redaktionelle Arbeit?

Ich lese immer wieder, dass sich Blogger ausgenutzt fühlen. Das verstehe ich auch gut, denn ich weiß, dass es Unternehmen gibt, die die „Gratis-PR“-Philosophie verfolgen. Das kennen übrigens die Anzeigenverkäufer und Redakteure seit Jahrzehnten. Es ist ein Irrglaube, dass die Arbeit von Redakteuren von den Werbekunden eher bezahlt oder wertgeschätzt wird, als die von einem Blogger. Im Gegenteil. Redaktionen müssen sich von den Werbekunden die Texte freigeben lassen. Welcher Blogger macht das? Die wenigsten. Und trotzdem erhält der Beitrag das Badget „Promotion“. Sobald ein Blogger sich bezahlen lässt für einen Beitrag, stellt er Werbefläche zur Verfügung. Die kooperierenden Unternehmen sind damit schlichtweg Werbekunden. Die journalistischen Regeln, wie Objektivität, können hierbei also gar nicht geleistet werden.

Ein Blogger, der eine Anfrage von einem Unternehmen erhält, hat im Grunde eine Kundenanfrage vor sich. Wer in der Kundenbetreuung arbeitet, weiß um die Herausforderungen, die eine gute Beziehung zum Kunden mit sich bringt. Die muss erst einmal aufgebaut werden.

Blogger Kooperationen

 

Was ist ein Produkt „wert“?

Kürzlich wurde ich angesprochen, ob wir (also das Unternehmen, für das ich arbeite) nicht einfach mal so ein Produkt kostenlos senden, damit darüber auf dem Blog berichtet werden kann.

Als ich sagte, als Leihgabe wäre das okay, wurde so gleich mit „Ausbeute“-Aussagen reagiert. Wir hatten nicht vor, auf dem besagten Blog Werbung zu machen.

Aha, dachte ich. Die Arbeit von Bloggern ist etwas wert, da stimme ich zu 100 Prozent zu. Die Arbeit von Menschen, die ein Produkt herstellen, etwa nicht?

Das Produkt, um das es in diesem Fall ging, besteht nicht nur aus teuren Materialien, es wurde zudem von Hand gefertigt. Tagelange, schweißtreibende Arbeit bis zur Perfektion. Das schenkt man nicht einfach so her. Diese Arbeit und das Knowhow haben ebenso einen Wert. Unabhängig davon, ob es ein Unikat ist, in Serie oder gar in Massen hergestellt wird.

Ein Unternehmen und eine Marke sind nichts Abstraktes. Dort arbeiten Menschen, die ihren Job machen. Meist unter hohem Leistungs- und Zeitdruck mit minimalem Budget.

Dann gibt es Blogger, die schon eine gute Reichweite erzielt haben. Erinnert euch bitte an eure ersten Beiträge. Woher hattet ihr die Produkte? Was haben sie euch gekostet? Habt ihr die Marken und Unternehmen vorher um Erlaubnis gefragt, das Produkt abzubilden und die Markennamen zu verwenden um euch selbst zu vermarkten?

Meinen Gedanken hat Katharina von Hirschkind aufgenommen in ihrem Beitrag „So klappt´s mit der Kooperation“

Gut finde ich, dass ihr Beitrag aufzeigt, wie es besser geht und nicht nur negative Fälle beschreibt. Sie hat mit ihrem Beitrag genau den Gedanken getroffen, der mir schon seit einigen Tagen im Kopf herumwandert. Danke, Katharina, dein Beitrag hat mir den Anstoß zu meinem Beitrag gegeben!

In einem früheren Beitrag geht Sie auf die Gegenseite ein, also die Firmen, „Warum du keine unbezahlten Kooperationen eingehen solltest“. Sie schafft es deutlich und klar zu sagen, wie sie die Situation sieht, ohne anzuprangern oder zu verurteilen. Und Sie formuliert es mit dem Begriff Werbeplattform sehr präzise. Wenn ein Blog keine Werbeplattform werden oder sein soll, dann sind weder bezahlte noch unbezahlte Kooperationen aus redaktioneller Sicht sinnvoll.

Lange Rede kurzer Sinn, das ist mein Rat

Ich finde, Blogger können klar kommunizieren, wie Kooperationen ablaufen sollen. Das ist nicht bei jedem Blogger gleich. Dafür wurden noch keine AMF-Standards¹) entworfen, wie er für die Mediadaten von Fachmedien verwendet wird.

Liebe Blogger, ergänzt euer Mediakit um die wichtigsten Punkte, die für eine Kooperationsanfrage wichtig sind: Was, wer, warum und wie.

Toll wäre auch eine Beschreibung der Zielgruppe. Auf diese Weise können Marken gleich von Anfang sehen, ob der Blog überhaupt relevant ist für das entsprechende Produkt. Dann werden Fashionblogger auch von Fashionunternehmen angesprochen und erhalten weniger Nachrichten von Pizzaverkäufern.

Eine Idee ist auch, ein Kontaktformular für Kooperationsanfragen zu implementieren. So könnt ihr direkt per Pflichtfeld festlegen, welche Mindestinformationen ihr für die Anfrage wünscht. Stellt die Informationen zu eurem Blog als Download bereit, denn die meisten Unternehmen werten erst Blogs aus, bevor sie in die aktive Ansprache gehen. Ich finde, ein bisschen Service hilft, um einen guten Start für die erste Kontaktaufnahme zu ermöglichen.

Zusammengefasst

Das Anfragen für Kooperationen ist meiner Meinung nach wie eine Bewerbung für einen neuen Job oder eine Verkaufssituation zu sehen, von beiden Seiten. Wenn es zu einer Kooperation kommt, entstehen Kosten und Aufgaben für beide Seiten. Verläuft sie erfolgreich, haben beide auch den entsprechenden Erfolg. Ein Blog lebt von seinen Lesern. Und Leser bekommt man nicht durch ein tolles Blog-Theme, sondern über interessante Inhalte. Und interessante Inhalte bekommen Blogger, die Produkte beschreiben, testen und bewerten, woher? Shopping und Kooperationen, nehme ich an. Die Produkte hat jemand entworfen, hergestellt, vermarktet. Da sitzen Menschen jeden Tag und kümmern sich darum, dass diese Produkte bekannt werden und besser werden.

Ich wünsche mir ein bisschen mehr Verständnis für beide Seiten. So wie jeder Blogger seine ersten Erfahrungen mit Kooperationen sammelt, müssen es auch Marken. Hinter den Email-Adressen und Webseiten sitzen Menschen, auf beiden Seiten.

Wir werden sehen, wie sich die Kommunikation zwischen Unternehmen bzw. Marken und Bloggern ändert. Ich hoffe, es entsteht mehr gegenseitiger Respekt und Anerkennung.

 

PS: Wer jetzt auf meinem Blog nach einem Mediakit sucht, wird keines finden, denn ich bin kein Testblogger 😉

Wenn jemand gern kooperieren möchte, darf er sich trotzdem melden. Bloggen ist Kommunikation.

 

Anhang

Jetzt grübelts in mir…

Möglicherweise gibt es einen, mir völlig unbekannten, allgemein gültigen Redaktionsplan für Blogger. Ein Thema ist Kooperation. Und weil Blogger, die Blogs von anderen Bloggern lesen, könnte es sein, das einfach alle das gleiche schreiben. Im gleichen Stil. Denn man muss ja SEO beachten. Und die Regeln, die man in einem der schlauen Ratgeber gelesen hat, den ein anderer, schon erfolgreicher Blogger verfasst hat.

Jetzt habe ich das Thema ja auch auf dem Blog. Und schon veröffentlicht. Der Anhang kam nach dem Button „publish“. Löschen macht man ja nicht, steht in den Ratgebern. Na ja, wenn ich schon die SEO-Regeln unbeachtet lasse, dann kann ich mich wenigstens ab und zu an den geheimnisvollen Redaktionsplan der Blogosphäre halten, den alle irgendwie umsetzen.

Die wichtigste Regeln fehlt in den meisten Ratgebern: Ein bisschen Spaß haben und die Dinge auch mal mit Humor sehen!

 


¹) AMF-Standards

Regeln und Normen zur inhaltlichen Gliederung von Mediadaten für Fachmedien. Werden regelmäßig aktualisiert und von der Kommission Anzeigen-Marketing Fachzeitschriften herausgegeben. Soll der Transparenz zwischen Werbungtreibenden und Medien dienen.

 

4 Kommentare zu „Es könnte so einfach sein! Kooperationen zwischen Bloggern und Unternehmen

  1. Habe gerade mit Vergnügen deinen Artikel gelesen. Ähnliche Gedanken schwirrten mir mitunter auch schon durch den Kopf, wenn ich in Bloggergruppen mitbekomme, welche Firma wieder welcher Top-Bloggerin eine unverschämte Anfrage mit der verkehrten Anrede geschickt hat.
    Ich selbst habe vor Jahren auch im Marketing gearbeitet und wenn ich mir vorstelle, wir hätten unsere potentiellen Kunden nach Art und Weise ihrer Anfragen be- und verurteilt, dann wäre die Firma ruckzuck pleite gegangen ^^
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke Salvia, für deinen Kommentar!
      Es ist nicht leicht, wenn ein Hobby zum Beruf wird, sich klar zu machen, dass der Blog jetzt ein Unternehmen ist. Die Leidenschaft und der Ehrgeiz sind wichtig, müssen aber in manchen Situation der sachlichen Heransgehensweise weichen.

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