Wandern mit Kind: der perfekte Moment

Der Moment, wenn die Wanderschuhe den Waldboden betreten, die Riemen vom Rucksack noch leicht drücken bei den ersten Schritten, dann bleibe ich jedes Mal kurz stehen. Blicke mich um, atme tief ein und aus, nehme die Geräusche um mich herum wahr, den Geruch. Erst dann, zurre ich den Rucksack fest, prüfe, ob die Schnürsenkel auch nicht zu fest gebunden sind und wandere los.

Als nächstes suche ich mein Wanderzeichen für diese Tour oder vergleiche die Route mit den Wegweisern.
Jetzt, mit Kind, hat sich dieser Ablauf nicht geändert. Meine Tochter bleibt neben mir stehen, sieht sich um und entdeckt sofort viele Dinge. Trockenes Laub, einen Käfer oder ein Vogel, der davon fliegt. Noch während ich den Rucksack fest mache, läuft sie mit einem strahlenden Lachen los und ruft: “Mama, komm mit! Wir sind im Wald!”. Ab diesem Moment ist der Tag so was von perfekt und kann gar nicht mehr schlecht werden. Ich stelle dabei fest, mehr brauchen wir einfach nicht. Kein Spielzeug, keine elektronischen Geräte zur Kommunikation oder Unterhaltung. Nicht einmal Bücher.

Was ist anders beim Wandern mit Kind?

Bevor ich Mutter wurde, bin ich oft allein gewandert oder mit meinem Mann. Ab und zu sind wir mit Freunden gewandert. Dabei haben wir uns einfach nur eine Tour ausgesucht und sind gelaufen ohne auf die Zeit zu schauen. Beim Wandern mit Kind hat sich dies verändert. Die Länge der Strecke ist gar nicht mehr relevant sondern die Frage, wann sollten wir spätestens umkehren. Das Einschätzen der eigenen Kräfte ich dabei besonders wichtig. Denn ist meine Tochter müde, möchte sie in die Trage. Mit ihren 13,5 kg plus Gewicht von Proviant, achte ich stets darauf, das unterwegs genug Möglichkeiten für Pausen sind. Wenn ich mit ihr allein unterwegs bin, achte ich im Moment noch darauf, dass wir dort wandern, wo der Weg zur nächsten Straße nicht weit ist. So habe ich immer einen Plan B, wenn die Motivation meines Kleinkindes zum Wandern nachlässt oder ich zu müde bin um Kind und mich nach Hause zu bringen.

Wandern mit Kind: Tipps

Für mich habe ich ein paar Routinen festgelegt, an denen ich beim Wandern mit meinem Kleinkind festhalte:

  • Mittagsschlaf einplanen: Wenn das Kind gerne in der Kraxe schläft, ist das ideal, denn dann kann die Wanderung im eigenen Tempo weiter gehen. Wer mit einem Wagen unterwegs ist, hat ohnehin keine Sorgen, denn die meisten Kinder schlafen besonders gerne, wenn sie geschoben werden. Ansonsten empfiehlt es sich direkt nach dem Mittagsschlaf oder sogar davor los zu gehen.
  • Wechselkleidung einpacken: Je nach Wetter oder Jahreszeit kann es sein, dass die Wege matschig sind. Für Kinder ist das ein Fest! Ab in die Matsche hüpfen oder in Pfützen springen. Damit rechne ich bei jeder Wanderung und ich glaube, das findet meine Tochter besonders schön beim Wandern. Im Sommer sind auch Bachläufe interessant, wo gerne Hosen und Schuhe nass werden dürfen. Kein Problem, wenn man für die Kleinen etwas zum Wechseln dabei hat. Wenn es nicht zu warm ist, wähle ich gleich eine Matsch- oder Regenhose und kann das Kind nach Lust und Laune die verschiedenen Böden austesten lassen.
  • Picknick-Decke mit nehmen: Wir wandern das ganze Jahr über. Bei gutem Wetter, wenn es kühl ist und auch bei unbeständigem Wetter. Darum habe ich stets eine Picknick-Decke dabei, um jederzeit einen gemütlichen Platz für die Rast zu haben. Die Unterseite der Decke ist beschichtet, so dass auch ein feuchter Boden oder eine feuchte Bank kein Hindernis für eine Pause sind.
  • Proviant, den Kinder mögen: Für unsere Rast packe ich meistens belegte Brote ein, geschnittenes Obst und Gemüse. Ein paar Cracker und Nüsse dürfen auch nicht fehlen. Die Thermoskannen sind gefüllt mit Tee für das Kind und Kaffee für die Erwachsenen. Wasserflaschen sind immer gut zum Trinken und Hände waschen. Als ich noch ohne Kind wandern gegangen bin, waren die Lunchboxen mit Käse und Salami am Stück sowie einem Messer gefüllt. Jetzt bereite ich alles vor, damit unser Kind auch beim Tragen knabbern kann.

Auf Entdeckungstour beim Wandern mit Kleinkind

Zum Schluss ist mein Tipp: Wenn du mit Kindern wandern gehst, lass dich von ihrem Blick auf die Welt einfangen. Du entdeckst dabei Dinge, die du sonst kaum noch wahr nimmst. Hast du in den letzten 12 Monaten einer Wespe zu gesehen, die ein Stück Wurst abknabbert? Wie vielen Mistkäfern bist du bei deiner letzten Wanderung begegnet? Ist dir schon einmal aufgefallen, wie oft du nur auf den Weg, aber nicht auf das was über dir ist, achtest?

Meine Tochter ist gerade in einem Alter, in dem sie alles mit einem “warum” hinterfragt. Ich bin oft erstaunt, wie viel ich gar nicht weiß über den Wald, die Wiese und die dort lebenden Tiere und Insekten. Ich finde es herrlich, die Welt auf diese Weise zu entdecken. Es ist wundervoll einige Minuten völlig darauf konzentriert zu sein, wie Ameisen ein Blatt nach dem anderen in ihren Bau transportieren. Die pure Freude im Gesicht meines Kindes zu sehen, wenn sich ein Schmetterling direkt vor ihr auf einer Blüte niederlässt.

Für mich ist das Wandern noch viel wertvoller geworden, seit ich es mit meiner Tochter gemeinsam mache. Bei jeder Tour schafft sie ein Stück weiter, eine Stunde länger und meistens will sie auf gar keinen Fall nach Hause. “Wir gehen jetzt nach Hause, es wird bald dunkel”, sage ich dann oft. Neuerdings kontert sie: “Du hast doch eine Lampe dabei am Handy!” Damit hat sie Recht. Und ich überlege mir schon einmal ein neues Argument für die nächste Wanderung mit meiner Tochter.

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