Blogger Kooperationen

Es könnte so einfach sein! Kooperationen zwischen Bloggern und Unternehmen

Eines Tages, möglicherweise jedoch nie, werde ich dich um eine kleine Kooperation bitten.

Heute hab ich was zu meckern. Nein, eigentlich stimmt das so nicht. Trotzdem bin ich etwas genervt von den Blogbeiträgen à la “schon wieder eine unmögliche Kooperationsanfrage” oder “die fünf schlechtesten Anfragen von Unternehmen” oder “nicht mal meine Email-Adresse wurde korrekt verwendet”.

Ja, das verstehe ich. Wer schon einmal im Vertrieb gearbeitet hat weiß, wie wichtig Vorbereitung vor der ersten Kontaktaufnahme ist. Gleiches erleben auch Redakteure der großen und kleinen Verlage mit Presseabteilungen sowie umgekehrt.

Im Grunde sind Anfragen für Kooperationen gleich zu setzen mit dem klassichen Verkaufen per Mail oder Telefon. Mit einem Unterschied: Wenn ich eine potentielle Kundengruppe recherchiere, liefern mir die Webseiten der Firmen sofort Informationen zu Größe, Zielmarkt und Zielgruppe. Bei Bloggern finde ich ein so genanntes Mediakit, in dem maximal ein paar Reichweitenzahlen aufgeführt sind.

Bei Verlagen finde ich in einem echten Mediakit alles: Zielgruppe, Themenschwerpunkte und etliche Zahlen zur Verbreitung, Frequenz der Titel und sauber aufgelistet, wen und wie ich zu welchem Bereich im Unternehmen kontaktieren kann.

Ich finde Blogs und Verlage sind sehr ähnlich. Es geht um Informationen zu Produkten, Geschehnissen und Märkte, Meinungen und reichlich Bildmaterial. Manche Blogger, mit denen ich Kontakt hatte, belächeln Verlage und lassen geringschätzige Äußerungen fallen. Von einem Verlag habe ich bisher noch keine Geringschätzung gegenüber Bloggern erlebt. Im Gegenteil, sie stellen zum Teil Blogger als Mitarbeiter ein!

Erst gestern habe ich auf der Fanpage einer Marke, die ich betreue eine Anfrage von einer Bloggerin bekommen, die weder den Grammatik- noch Rechtschreib- und schon gar nicht den simpelsten Höflichkeitsregeln folgt. Das war kurz vor Feierabend. Es war heiß gestern. Ich war müde und hatte Hunger und der nächste Termin wartete schon auf mich. Wie habe ich reagiert? Genervt? Arrogant?

Weder noch. Ich habe mich für die Anfrage bedankt und erklärt, dass wir gern mit Bloggern arbeiten. Dann habe ich gefragt, in welcher Form sie sich eine Kooperation vorstellt. Vermutlich kommt da nie wieder eine Antwort. Vielleicht aber doch und dann könnte es eine schöne Zusammenarbeit werden.

Was ist redaktionelle Arbeit?

Ich lese immer wieder, dass sich Blogger ausgenutzt fühlen. Das verstehe ich auch gut, denn ich weiß, dass es Unternehmen gibt, die die “Gratis-PR”-Philosophie verfolgen. Das kennen übrigens die Anzeigenverkäufer und Redakteure seit Jahrzehnten. Es ist ein Irrglaube, dass die Arbeit von Redakteuren von den Werbekunden eher bezahlt oder wertgeschätzt wird, als die von einem Blogger. Im Gegenteil. Redaktionen müssen sich von den Werbekunden die Texte freigeben lassen. Welcher Blogger macht das? Die wenigsten. Und trotzdem erhält der Beitrag das Badget “Promotion”. Sobald ein Blogger sich bezahlen lässt für einen Beitrag, stellt er Werbefläche zur Verfügung. Die kooperierenden Unternehmen sind damit schlichtweg Werbekunden. Die journalistischen Regeln, wie Objektivität, können hierbei also gar nicht geleistet werden.

Ein Blogger, der eine Anfrage von einem Unternehmen erhält, hat im Grunde eine Kundenanfrage vor sich. Wer in der Kundenbetreuung arbeitet, weiß um die Herausforderungen, die eine gute Beziehung zum Kunden mit sich bringt. Die muss erst einmal aufgebaut werden.

Blogger Kooperationen

 

Was ist ein Produkt „wert“?

Kürzlich wurde ich angesprochen, ob wir (also das Unternehmen, für das ich arbeite) nicht einfach mal so ein Produkt kostenlos senden, damit darüber auf dem Blog berichtet werden kann.

Als ich sagte, als Leihgabe wäre das okay, wurde so gleich mit “Ausbeute”-Aussagen reagiert. Wir hatten nicht vor, auf dem besagten Blog Werbung zu machen.

Aha, dachte ich. Die Arbeit von Bloggern ist etwas wert, da stimme ich zu 100 Prozent zu. Die Arbeit von Menschen, die ein Produkt herstellen, etwa nicht?

Das Produkt, um das es in diesem Fall ging, besteht nicht nur aus teuren Materialien, es wurde zudem von Hand gefertigt. Tagelange, schweißtreibende Arbeit bis zur Perfektion. Das schenkt man nicht einfach so her. Diese Arbeit und das Knowhow haben ebenso einen Wert. Unabhängig davon, ob es ein Unikat ist, in Serie oder gar in Massen hergestellt wird.

Ein Unternehmen und eine Marke sind nichts Abstraktes. Dort arbeiten Menschen, die ihren Job machen. Meist unter hohem Leistungs- und Zeitdruck mit minimalem Budget.

Dann gibt es Blogger, die schon eine gute Reichweite erzielt haben. Erinnert euch bitte an eure ersten Beiträge. Woher hattet ihr die Produkte? Was haben sie euch gekostet? Habt ihr die Marken und Unternehmen vorher um Erlaubnis gefragt, das Produkt abzubilden und die Markennamen zu verwenden um euch selbst zu vermarkten?

Meinen Gedanken hat Katharina von Hirschkind aufgenommen in ihrem Beitrag “So klappt´s mit der Kooperation”

Gut finde ich, dass ihr Beitrag aufzeigt, wie es besser geht und nicht nur negative Fälle beschreibt. Sie hat mit ihrem Beitrag genau den Gedanken getroffen, der mir schon seit einigen Tagen im Kopf herumwandert. Danke, Katharina, dein Beitrag hat mir den Anstoß zu meinem Beitrag gegeben!

In einem früheren Beitrag geht Sie auf die Gegenseite ein, also die Firmen, “Warum du keine unbezahlten Kooperationen eingehen solltest”. Sie schafft es deutlich und klar zu sagen, wie sie die Situation sieht, ohne anzuprangern oder zu verurteilen. Und Sie formuliert es mit dem Begriff Werbeplattform sehr präzise. Wenn ein Blog keine Werbeplattform werden oder sein soll, dann sind weder bezahlte noch unbezahlte Kooperationen aus redaktioneller Sicht sinnvoll.

Lange Rede kurzer Sinn, das ist mein Rat

Ich finde, Blogger können klar kommunizieren, wie Kooperationen ablaufen sollen. Das ist nicht bei jedem Blogger gleich. Dafür wurden noch keine AMF-Standards¹) entworfen, wie er für die Mediadaten von Fachmedien verwendet wird.

Liebe Blogger, ergänzt euer Mediakit um die wichtigsten Punkte, die für eine Kooperationsanfrage wichtig sind: Was, wer, warum und wie.

Toll wäre auch eine Beschreibung der Zielgruppe. Auf diese Weise können Marken gleich von Anfang sehen, ob der Blog überhaupt relevant ist für das entsprechende Produkt. Dann werden Fashionblogger auch von Fashionunternehmen angesprochen und erhalten weniger Nachrichten von Pizzaverkäufern.

Eine Idee ist auch, ein Kontaktformular für Kooperationsanfragen zu implementieren. So könnt ihr direkt per Pflichtfeld festlegen, welche Mindestinformationen ihr für die Anfrage wünscht. Stellt die Informationen zu eurem Blog als Download bereit, denn die meisten Unternehmen werten erst Blogs aus, bevor sie in die aktive Ansprache gehen. Ich finde, ein bisschen Service hilft, um einen guten Start für die erste Kontaktaufnahme zu ermöglichen.

Zusammengefasst

Das Anfragen für Kooperationen ist meiner Meinung nach wie eine Bewerbung für einen neuen Job oder eine Verkaufssituation zu sehen, von beiden Seiten. Wenn es zu einer Kooperation kommt, entstehen Kosten und Aufgaben für beide Seiten. Verläuft sie erfolgreich, haben beide auch den entsprechenden Erfolg. Ein Blog lebt von seinen Lesern. Und Leser bekommt man nicht durch ein tolles Blog-Theme, sondern über interessante Inhalte. Und interessante Inhalte bekommen Blogger, die Produkte beschreiben, testen und bewerten, woher? Shopping und Kooperationen, nehme ich an. Die Produkte hat jemand entworfen, hergestellt, vermarktet. Da sitzen Menschen jeden Tag und kümmern sich darum, dass diese Produkte bekannt werden und besser werden.

Ich wünsche mir ein bisschen mehr Verständnis für beide Seiten. So wie jeder Blogger seine ersten Erfahrungen mit Kooperationen sammelt, müssen es auch Marken. Hinter den Email-Adressen und Webseiten sitzen Menschen, auf beiden Seiten.

Wir werden sehen, wie sich die Kommunikation zwischen Unternehmen bzw. Marken und Bloggern ändert. Ich hoffe, es entsteht mehr gegenseitiger Respekt und Anerkennung.

 

PS: Wer jetzt auf meinem Blog nach einem Mediakit sucht, wird keines finden, denn ich bin kein Testblogger 😉

Wenn jemand gern kooperieren möchte, darf er sich trotzdem melden. Bloggen ist Kommunikation.

 

Anhang

Jetzt grübelts in mir…

Möglicherweise gibt es einen, mir völlig unbekannten, allgemein gültigen Redaktionsplan für Blogger. Ein Thema ist Kooperation. Und weil Blogger, die Blogs von anderen Bloggern lesen, könnte es sein, das einfach alle das gleiche schreiben. Im gleichen Stil. Denn man muss ja SEO beachten. Und die Regeln, die man in einem der schlauen Ratgeber gelesen hat, den ein anderer, schon erfolgreicher Blogger verfasst hat.

Jetzt habe ich das Thema ja auch auf dem Blog. Und schon veröffentlicht. Der Anhang kam nach dem Button “publish”. Löschen macht man ja nicht, steht in den Ratgebern. Na ja, wenn ich schon die SEO-Regeln unbeachtet lasse, dann kann ich mich wenigstens ab und zu an den geheimnisvollen Redaktionsplan der Blogosphäre halten, den alle irgendwie umsetzen.

Die wichtigste Regeln fehlt in den meisten Ratgebern: Ein bisschen Spaß haben und die Dinge auch mal mit Humor sehen!

 


¹) AMF-Standards

Regeln und Normen zur inhaltlichen Gliederung von Mediadaten für Fachmedien. Werden regelmäßig aktualisiert und von der Kommission Anzeigen-Marketing Fachzeitschriften herausgegeben. Soll der Transparenz zwischen Werbungtreibenden und Medien dienen.

 

Hoi-Hopp Stein

Mit einem Schöpflöffel unter dem Hut

Es ist doch noch ein bisschen Sommer in diesem Jahr! Schon beim Frühstück bin ich unruhig und überlege hin und her, wie ich diesen sonnigen Sonntag auskoste. Ein Tag am See, im Schwimmbad, auf dem Balkon mit Buch oder doch eine kleine Wanderung?

Das Wildbachtal habe ich schon eine Weile auf meiner Liste, denn es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft und ist somit schnell erreichbar. Also gut, Wanderschuhe an, Sonnencreme ins Gesicht, Rucksack packen und los geht es! Mit meinem Mann im Schlepptau, der heute den Rucksack trägt, geht es von Mondfeld nach Boxtal. Die Tour suche ich mit der App Outdoor Active heraus. Rundwanderweg 02 heißt die Tour und ist 13,4km lang. Schon bei der ersten Gelegenheit lassen wir uns von einem Ausblick ablenken. Zwischen den Apfelbäumen wandert der Blick durch das Tal, es duftet nach reifen Äpfeln und Gras. Rot und Grün leuchten die Früchte an den Bäumen und schon viele liegen um die Stämme herum.

Apfelbaumwiese

Wir sind noch so abgelenkt, dass wir links anstatt rechts abbiegen und darum die Tour umgekehrt gehen als in der App beschrieben. Wir treffen unterwegs auf den Oberen Ebersweg, der an einigen Stellen wohl schon lange nicht mehr benutzt wurde. Brennesseln und Gräser stehen hüfthoch, Dornengestrüb hängt tief und Äste sind auf Augenhöhe. Mit einigen Schrammen und Nesselbläschen kommen wir durch das Dickicht und weichen Morast und Pfützen aus. Vor kurzem waren hier wohl Wildschweine unterwegs! Der ganze Weg wird von Eicheln gesäumt.

Als wir später auf dem Hirschbrünnelesweg sind, entdecken wir einen Schädel von einem Reh. Ein Foto davon habe ich mir erspart. Nach einigen Metern entlang des Turmweges, stehen wir tatsächlich vor einem Aussichtsturm. Ich frage mich, ob die Wegnamen eine tiefere Bedeutung haben…

Aussichtsturm Boxtal

Hier treffen wir das erste Mal seit wir in den Wald eingebogen sind auf Menschen. Eine Familie mit Kindern klettert auf den Turm und macht dort Rast. Wir haben mittlerweile auch einen kleinen Hunger und sind neugieirig, was sich am Ende der Treppe befindt, die sich gegenüber vom Turm nach oben befindet:

Treppauf

Oben angekommen, entdecken wir: Nichts. Ein Baumstumpf und ein Stein bieten uns Sitzgelegenheit. Während wir dem Kinderlachen hinter uns lauschen bemerken wir Ameisen, die fleißig unsere Krümel davon tragen. Es werden immer mehr Ameisen und fasziniert beobachten wir, wie die Insekten Brotkrümel um Brotkrümel von dannen tragen in die verschiedensten Richtungen.  Beim hinunter gehen der Stufen, stellen wir fest, dass der kleine Hügel komplett von Ameisen bewohnt zu sein scheint. Wenn man sich konzentriert, kann man die abertausenden Beinchen hören, die auf dem trockenen Laub trippeln. Hier und da entdecken wir eines unserer Krümel.

Wir gehen weiter, einen breiten und trockenen Weg. Beobachten das Lichtspiel der Sonne zwischen den Bäumen und begegnen hier und da doch noch weiteren Spaziergängern. Es ist nicht mehr weit bis Rauenberg.

Im Vorfeld habe ich mich über den Rundweg gar nicht informiert. Weder über die anzutreffenden Sehenswürdigkeiten noch über die Beschaffenheit der Strecke. Das macht die heutige Tour ein bisschen interessanter.

Hinter einer Kurve entdecken wir erst ein Hinweisschild und dann lernen wir auch noch den Hoi-Hopp kennen. Ein wunderlicher Geselle mit einem Schöpflöffel unter dem Hut. Eine Tafel erklärt die Sage:

 

Ich mag das Wortspiel: “mit dem Schöpfer über mir”. Über diese Sage sinierend wandere ich weiter und überlasse meinen Mann seinen eigenen Gedanken. Wir durchqueren Rauenberg und freuen uns nach der prallen Sonne im Ort, als wir wieder in den Wald kommen. Mittlerweile haben wir schon zahlreiche Insekten beobachtet: Ameisen, Mistkäfer, Bienen und Hummeln, Schmetterlinge und Falter. Der Weg ist gerade wieder sehr morastig als ich eine Zecke beobachten kann, wie sie sich den Weg auf dem Arm meines Mannes sucht. Unsere nächste Rast machen wir an Ort und Stelle und sammeln 12 Zecken! Zum Teil so winzig, dass sie schwer zu sehen sind. Wie das so ist, kribbelt es jetzt über all und ständig bleiben wir stehen, weil wir uns weitere Krabbeltiere auf Armen und Beinen einbilden. Nach einer halben Stunde, ich bin etwas genervt, bleibt mein Mann wieder stehen und schmipft, was jetzt schon wieder am Bein kitzelt! Diesesmal beschert uns der Wald jedoch etwas schmückendes Kraut und lachend gehen wir weiter, die Blume bleibt am Schuh.

 

Es war genau der richtige Zeitpunkt, denn nun ist unsere Wahrnehmung wieder auf die Natur um uns herum gelenkt. Wir entdecken Pilze in den verschiedenstens Farben, Größe und Formen und genießen bei einer Lichtung erneut den Blick über das Tal in Richtung Mondfeld.

Kurz bevor wir wieder den Feldweg Richtung Zuhause erreichen, bauen wir ein Steinmännchen weiter und werden von einer einzeln stehende Orchidee überrascht. Ganz allein und kräftig blühend steht sie am Wegesrand zwischen Blättern und Büschen.

Zuhause angekommen stellen wir fest, dass wir eine viel längere Tour gemacht haben, als die App angekündigt hat: 19.3km! Die Sonne steht schon recht tief, wir haben gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging. Die vielen kleinen Pausen und mit viel Entspanntheit sind wir heute gewandert.

Die Beine sind müde, der Kopf ist erholt – so ein schöner sonniger Sonntag.

 

 

 

 

Sardinien_Titelbild

3, 2, 1 … entscheide jetzt: Nord, West oder Süd?

Im Herbst und Winter schmiedete ich große Pläne für meinen Urlaub während der Pfingstferien. Abenteuerlich soll es sein, spontan und aktiv. Wandern in Nordspanien war die erste Idee. Von Erzählungen erfuhr ich schon viel über die Gegend, in der man einen Teil des Jakobsweges gehen kann. Warum nicht! Für 14 Tage ist das sicher eine schöne Gelegenheit, die Landschaft kennenzulernen und diese Erfahrung  zu machen.

Anreise mit dem Zug, übernachten in Herbergen: Mit einem gut gepackten Rucksack und festem Schuhwerk machbar.

Irgendwann im Frühjahr setzte ich mich dann mit der Klimatabelle auseinander. Es kann schon recht warm werden Ende Mai in Spanien. Die Anreise mit dem Zug würde fast eineinhalb Tage beanspruchen. In der Zwischenzeit habe ich durch Zufall immer wieder von Dänemark gelesen. Ein offenes Volk soll es sein, mit einer abwechslungsreichen Landschaft. Ein gut ausgebautes Schienennetz. Nach einigen Recherchen fand ich eine Tour durch Dänemark spannender als reines Wandern in Nordspanien.

Die Halbinsel Jütland ist nicht allzu groß, so dass sich in zwei Wochen viele Stationen realisieren lassen. Damit war die Entscheidung gefallen, Dänemark soll es werden. Reiseführer und Karte waren schnell in der Buchhandlung Buchheim in Wertheimer besorgt. Das Klima ist im Mai mild, wenig Regen, ideal fürs Wandern.

Doch dann kam alles anderes.

Pinterest ist Schuld, dass ich auch diesen Plan verwarf und komplett umschwenkte. In meiner Timeline erschien ein Post mit dem Namen „Top 10 Strände auf Sardinien“.

Ich lese also ein bisschen auf den Seiten und entdecke: Strände wie im Paradies, Wanderungen durch Naturparks und sehenswerte, historische Städte. Das ist ja wie ein Überraschungsei! Drei Sachen auf einmal, an einem Ort. Warum nicht! Mein Vorschlag wurde von meinem Mann mit einem erleichterten Lächeln aufgenommen und freute sich, die Badehose doch einpacken zu können. Die finale Entscheidung fällt somit auf Tor Nummer 3: Sardinien.

Zwei Wochen vor Reiseantritt buchten wir Direkt-Flüge über Lufthansa, mieteten ein Auto bei Hertz und ein Ferienhaus. Zeit für eine ausführliche Recherche blieb kaum und den Reiseführer für Sardinien kaufte ich erst am Frankfurter Flughafen. Das wird schon. Wir werden jeden Tag spontan entscheiden, was wir unternehmen. Das klingt genau nach meinem Geschmack.

Auch der Koffer wurde Last-Minute gepackt, am Abend vor dem Abflug. Normalerweise mache ich das drei Tage vorher, damit noch Zeit bleibt, Fehlendes zu besorgen. Egal, was fehlt, wird vor Ort organisiert oder darauf verzichtet, war unsere Devise.

Am Samstagmittag ging es dann endlich los. Die A3 war erstaunlich frei, kein Stau und so kamen wir überpünktlich am Flughafen an. Mit dem Online Check-In haben wir reichlich Zeit gespart und so mussten wir nur noch unser Gepäck aufgeben.

Leider verzögerte sich der Start des Flugzeuges erheblich. Über eine Stunde warteten wir im Flieger auf den Start. An diesem Tag war nur eine Startbahn verfügbar, teilte uns die Pilotenstimme über Lautsprecher mit.

Der Flug selbst war nach 2 Stunden geschafft, den Mietwagen hatten wir keine halbe Stunde später. Trotzdem waren wir spät dran. Zum Glück ist mein Mann mit dem italienischen Straßenverkehr von Berufswegen vertraut und so schafften wir es noch gerade rechtzeitig um den Schlüssel für unser Ferienhaus abzuholen.

Bereits auf der Fahrt vom Flughafen in Cagliari, der Hauptstadt Sardinien, nach Monte Nai konnten wir das Meer sehen. Flamingos tummeln sich in den Salinen rund um die Stadt und die Sonne machte sich bereit zur Abenddämmerung.

Noch bevor wir die Koffer auspackten, nutzen wir die letzten Sonnenstrahlen für einen kurzen Spaziergang am Stand. Wir waren sicher, dieser Urlaub wird wie keiner zuvor.

Sardinien_Titelbild

Panasonic Lumix dmc-tz71

Der frühe Vogel lässt die Seele baumeln

Dort hinter den Baumwipfeln kann man sie erkennen – die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Seit wir zurück von unserer Sardinienreise sind, wache ich mit dem Sonnenaufgang und dem ersten Krähen des Mondfelder Hahnes auf.

Ich wache nicht nur ein bisschen auf, sondern bin aktiv und fit und bereit in den Tag zu starten. Leider schlafen noch alle. Laute Musik, Staub saugen oder gar Morgengymnastik sind tatsächlich noch zu laut.

Was mache ich also bis die zwei Stunden vergehen? Bisher hatte ich noch das eine oder andere zu tun mit Wäsche und Dingen, die man im Koffer herumschleppt. Das ist nun aufgeräumt, gewaschen, gebügelt. Mein Buch ist auch zu Ende gelesen. Fernsehen mag ich wirklich nicht, was könnte dort schon Tolles zu sehen sein. Gestern war mir etwas langweilig. Ein seltener Zustand. Es hat mich sehr erstaunt, dass ich überhaupt noch in die Situation komme, mich zu langweilen. Ich bin bekanntermaßen etwas ungeduldig mit mir selbst, so dass ich sehr schnell einen Ausweg aus der Langeweile gefunden habe: Urlaubsbilder sortieren.

Man sieht den Bildern deutlich an, dass irgendwann meine Kamera kaputt gegangen ist und ich wieder mit meinem Samsung Galaxy S5 fotografierte. Was für ein trauriger Moment! Vermutlich war es eine der Serpentinen, die wir gefahren sind. Irgendetwas muss in der Tasche gewesen sein, dass den Bildschirm springen lässt.

Panasonic Lumix dmc-tz71Die Kamera habe ich erst Anfang des Jahres gekauft. Eine kleine Traveller: Panasonic Lumix dmc-tz71. Für den Anfang sollte mir dieses Gerät genügen um mich dem Thema Fotografie anzunähern. Ich habe sie als Einsteigermodell gewählt. Jetzt werde ich erst einmal recherchieren, wie ich den Bildschirm günstig repariert bekomme. Hat jemand Vorschläge?

Doch die kaputte Kamera lassen die Eindrücke nicht trüber aussehen. Die Erinnerung an die schönen zwei Wochen sind zum Glück nicht von der Qualität eines Gerätes oder Fähigkeit eines Fotografen abhängig. Das gestrige Stöbern in den Bildern und erste Sortieren hat mich heute Morgen dazu inspiriert, auf dem Balkon zu frühstücken.

Die Vögel sind hier zum Glück nicht so extrem laut, es flitzen auch keine Eidechsen zwischen den Stuhlbeinen umher, aber der Ausblick auf die grünen Hügel und die frische Luft wecken Urlaubsgefühle. Der blaue Himmel tut sein Übriges und so lehne ich mich heute einfach zurück und frühstücke auf dem Balkon. In knapp einer Stunden ruft die Arbeit, bis dahin lass ich noch etwas die Seele baumeln.

Ausblick MondfeldWann kommen denn endlich Bilder und Berichte von Sardinien? Ihr habt absolut Recht, es wird Zeit dafür! Ein bisschen Geduld müsst ihr noch mit mir haben bis ich alles geordnet habe.

Palme

Es gibt Musik im Paradies

Um 4:15 Uhr morgens erlischt die Straßenlaterne vor unserem Ferienhaus im Süden Sardiniens. Die Sonne hat es noch nicht hinter dem Berg herauf geschafft und es ist noch dunkel. Der erste Weckruf erklingt um 4:23 Uhr – ein zaghaftes Tschirpen. Schon wenige Minuten später stimmt der erste Solist melodisch ein und singt sich warm bis um 5:30 Uhr bereits der halbe Chor fröhlich einstimmt.

Vogelgezwitscher – ein so nettes Wort. Wir mögen das fröhliche Trällern der kleinen Tierchen, denn es kündigt den Frühling an und begleitet den Sommer. So sagt man. Heute stimme ich dieser Aussage nicht ganz zu.

PalmeDie große Palme im benachbarten Garten ist Musikzimmer, Schlafraum und Wohnzimmer unzähliger Singvögel. Ihr Zwitschern und Flattern ist eher belebend als beruhigend, so dass ich mich für ein frühes Aufstehen entscheide.

Es ist noch kühl auf der Terrasse während ich eine Tasse Kaffee trinke und den Sonnenstrahlen zu sehe, wie sie sich über die Hügel tasten.

Gegenüber steht ein Laubbaum vom dem ein Vogel, der wie eine Amsel aussieht, in den Palmen-Chor einstimmt. Die erste Katze schleicht um den Garten herum, wohl wissend, dass ich sie wieder verjage. Ja, ich verjage Katzen, obwohl ich ein Katzenfreund bin. Doch Wildkatzen füttere ich genauso wenig wie Wildschweine oder Füchse.

Es ist der dritte Tag auf der Insel und so langsam komme ich an im Paradies mit weißem Strand und türkis-blauem Meer. Nur sehr wenige Touristen bevölkern das Feriendorf an der Costa Rei, in dem wir ein Ferienhaus gemietet haben. Jetzt, in der Vorsaison sind sogar die Geschäfte sind zum Teil noch nicht wieder in Betrieb. Ich mag die Vorsaison-Zeit. Es ist noch ruhig am Morgen und Abend während tagsüber geschäftig repariert und renoviert wird.

Man trifft in dieser Zeit viele Einheimische, die gut gelaunt ein „Buongiorno“ herüber rufen und winken. Sie kennen sich untereinander und plappern munter quer über die Straße, von Gartenzaun zu Autofenster und von Balkonbalustraden hinunter bis zur Straße. Selbst in der Mittagszeit wird hier gewerkelt, denn es ist für sardische Verhältnisse noch kühl.

Erst gestern sprach uns ein älterer Herr an, in Deutsch, und fragte, wie es uns auf Sardinien gefiele. Er erzählte, dass er in den 50er Jahren nach Deutschland zum Arbeiten auswanderte und jetzt als Rentner die Sommer in der Heimat verbringt. Seine Familie besitzt hier im Dorf ein Ferienhaus, was er pflegt, denn er hat ja Zeit. Gearbeitet hat er in fast allen Himmelsrichtungen Deutschland als Montagearbeiter für eine Baufirma. Es ist eine Geschichte, in der sich wohl jeder wiederfindet, der als junger Mensch als Gastarbeiter nach Deutschland kam und jetzt, 40 Jahre später, als Rentner ein großes Heimweh verspürt. Nach diesem kurzen Plausch, geht er wieder in seinen Garten und bringt die Hecke in Form.

Mittlerweile ist es 7 Uhr, der erste Nachbar öffnet das Fenster und winkt. Ich entscheide mich für eine zweite Tasse Kaffee und finde es ganz wunderbar, hier auf der Terrasse.  Fürs Frühstück ist es noch zu früh, mein Mann schläft noch und scheint die trällernden Vögel gar nicht zu bemerken. Während ich ihnen so zuhöre kommt mir der Gedanke, dass es sich anhört, wie ein großer Saal Menschen, die sich unterhalten. Wie in einem großen Restaurant, einer Mensa oder Bahnhofshalle.

Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter und ich zucke zusammen. Ich habe gar nicht gehört, dass mein Mann aufgestanden ist, so versunken war ich in den Vogelstimmen. Vielleicht kann ich mich noch an die tägliche musikalische Unterhaltung gewöhnen.

Mammut_Hera_Light_grey

Wie mir ein graues Mammut den Rücken decken wird

Fast zwei Monate hat es gedauert, bis ich endlich “Ja” gesagt habe. Jetzt werden die Wandertouren stets in seiner Begleitung stattfinden und ich bin überglücklich!

Im Dezember habe ich euch berichtet, wie viele Eigenschaften mein neuer Partner haben soll. Bei all den Möglichkeiten, die sich mir boten, war die Entscheidung am Ende dann doch leichter zu treffen, als ich noch im letzten Jahr glaubte.

Was hat mich am Ende überzeugt? Es waren die zahlreichen Ratschläge, die ich bekam. Ich habe viele ausprobiert und getestet, ob mir die Kandidaten das bieten, was mir wichtig ist. Einen kleinen Kompromiss bin ich eingegangen, wobei dieser kaum nennenswert ist. Es war eine Eigenschaft, die recht weit oben auf meiner Liste stand, darum möchte ich euch kurz erzählen, wie es mir bei der Wahl ging.

Pink darf auf gar keinen Fall eine Rolle spielen. Ich mag Rosatöne, keine Frage. Einen knapper Meter in leuchtendem Pink kann ich mir an meiner Seite nicht vorstellen. Etwas unaufdringlicher, bitte sehr. Tja, auch die Größe spielt eine Rolle. Länge und Breite sind ausschlaggebend, wenn’s auch ein bisschen bequem sein soll. Die Möglichkeit von allen Seiten ran zu kommen, erschien mir als das Wichtigste überhaupt! Der Rücken ist noch wichtiger, den der gibt den nötigen Halt, wenn es schwierig wird. Zu dick und zu dünn darf es auch nicht sein, das Gewicht macht ohnehin ständig Schwierigkeiten.

Im Dezember war ich ja schon in Wertheim unterwegs und habe nach einem geeigneten Kandidaten Ausschau gehalten. So recht gefallen hat mir dann doch keiner und ich habe meine Suche nach Würzburg verlegt. Eine größere Stadt – höhere Chancen, dachte ich. Leider habe ich mich getäuscht und so bin ich mit allem anderen nach Hause gekommen, aber nicht mit einem neuen Begleiter.

Wo soll ich noch suchen? Online find ich doof, da kann ja am Ende die Katze im Sack bei raus kommen! Nein, nein, besser auf dem konventionellen Weg. Also auf nach Nürnberg! In Nürnberg habe ich bisher alles gefunden, da sollte doch ein neuer Touren-Partner keine Schwierigkeit werden.

An einem sonnigen Samstag mache ich mich also auf den Weg nach Nürnberg. Ich hatte ein klares Ziel vor Augen und war fest entschlossen, nicht allein zurück nach Mondfeld zu fahren. Sofort steuerte ich die Krebsgasse an, hier treffe ich drei auf einem Platz: Travel und Trek, The North Face und Vaude. Ich war sicher, nach diesen drei Fachgeschäften, nimmt meine Suche ein gutes Ende.

Jetzt wisst ihr, was ich suche. Habt ihr vergessen, dass ich nach einem Rucksack suche? Wer soll mich denn sonst begleiten beim Wandern? 🙂

Im Travel und Trek war die Auswahl gut. Die verschiedenen Typen, die speziell für Frauen designed sind, gibt es hier von Deuter. Mehrfach gelobt von Outdoor-Magazinen, war ich neugierig darauf, einen Deuter Aircontact aufzusetzen.

Mit einem Volumen von 50+10l erfüllte das Modell meinen Anspruch an Größe. Mit 28 cm Breite, ist er schmal genug für mich und lässt genügend Freiraum für die Arme. Er bietet viel Platz für Wanderstöcke, Schlafsack und allerhand Kleinigkeiten, die Regenhülle, das abtrennbare Bodenfach sowie verschiedene Wege ans Innere heranzukommen. Das komfortable Rückensystem soll nicht unerwähnt bleiben. Damit war das Modell von Deuter meine erste Wahl für den Moment. Mit einem Eigengewicht von 2,5 kg ist er 500 g schwerer, als meine Idealvorstellung. Zweites Manko: Es war nur in rot, bzw. Blackberry-Aubergine, verfügbar. Oder Grün, das heißt Pine Moss, was noch eher für mich in Frage kam. Die Hüftgurte saßen gut, engten nicht ein und auch die Schultergurte scheuerten nicht. Die Beratung im Travel und Trek war sehr gut. Der Fachberater erklärte jeden Gurt und zeigte, die optimale Einstellung. Er legte mir sogar für zwei Stunden den Rucksack zurück, damit ich noch Zeit habe, mich weiter umzusehen.

Bei Vaude und The North Face war die Beratung ebenso gut. Leider gab es hier kein Modell, das mich überzeugte. Entweder war mein Wunsch-Volumen nicht im Store verfügbar oder der Schultergurt scheuerte am Hals. Also auf zu den nächsten beiden Fachgeschäften: Jack Wolfskin und Mammut, die beide am Josephsplatz sind.

Als ich vor dem Regal im Mammut stand und meine Augen über die herrlich unauffälligen Farben der Rucksäcke wandern ließ, war ich schon sehr entzückt! Kein Pink, kein grelles Türkis und auch kein komisches Blackberry-Aubergine. Für den Moment waren alle drei Fachberater in Kundengesprächen und so probierte ich allein einige Modelle auf. Es kam ein Modell in Frage, da es mein Kriterium von mindestens 50 Liter Volumen erfüllte: Hera Light 55+15  in grau. Ich stellte mir den Rucksack so ein, wie es mir in den vorherigen Geschäften bereits ausführlich erklärt wurde. Er saß gut. Das Eigengewicht von 2 kg ist im Vergleich zu Modellen von anderen Herstellern gering. Die meisten Trekkingrucksäcke wiegen 2,5 kg und mehr. Die Hüftgurte sind vorgeformt und liegen auch ohne festes anziehen gut an. Toller Zusatz: Der Hüftgurt kann rotieren durch ein integriertes Gelenk. Der Fachberater erklärt mir später, dass die Stabilität dadurch unterstützt wird. Die Kraft wird reibungslos übertragen und gibt der Hüfte jede Bewegungsfreiheit.

Nach dem mir der Verkäufer Gewicht in den Rucksack gepackt, laufe ich einige Male mit dem grauen Mammut auf dem Rücken durch das Geschäft. Die rotierende Hüfte stört gar nicht, sondern passt sich meinen Bewegungen an. Mit diesem Modell habe ich nicht das steife Gefühl eines Brettes auf dem Rücken. Die Schultergurte verlaufen ideal, so dass nichts zwickt oder reibt. Was gibt es auszusetzen? Es gibt keine seitlichen Eingriffmöglichkeiten ins Innere und die Nähte sind zum Teil pink.

Mammut Hera Light 55+15 grey

Die fehlenden zusätzlichen Öffnungen seien unnötig, meinte der Berater. Seine Begründung: Bei einer Trekkingtour packe ich in der Herberger oder Hütte den ganzen Rucksack aus. Selbst, wenn ich zelte, wird kaum ein Teil verpackt bleiben. Die mehrfachen Eingriffmöglichkeiten sind für Work-and-Travel-Pläne geeignet, weil der Rucksack so die Reisetasche ersetzt. Leuchtet ein. Mehr Reißverschlüsse bedeuten auch mehr Schwachpunkte, denn jede Naht kann aufgehen. Na ja, und das bisschen Pink verkrafte ich, dachte ich.

Eine Station hatte ich noch vor mir: Jack Wolfskin, zwei Häuser weiter. Ich ließ mir das graue Mammut reservieren und ging nach neben an. Hier ist kein Modell für Damen verfügbar, was auch gleich am Schultergurt spürbar war: Die Schultergurte laufen direkt über die Brust. Mit der Farbe Schwarz und einer typischen schmalen Bauweise, wäre sonst ein Modell von diesem Hersteller durchaus interessant gewesen. Schade, ich hätte gern den Highland Trail XT 45 Women ausprobiert. Selbstverständlich können alle Fachgeschäfte ein gewünschtes Produkt bestellen, sogar nach Hause schicken ist möglich. Lasst euch beraten, wenn ihr euch einen Rucksack zu legen möchtet.

Nach einem kurzen Mittagessen, geht es zurück zu Mammut. Ein guter Shoppingtag, Ziel erreicht.

Lächelnd verstaue ich meine Handtasche im Inneren und trete die Heimreise an mit meinem neuen Wanderbegleiter auf dem Rücken.

Ihr möchtet euch auch einen Rucksack zu legen? Ich habe euch in einer Liste zusammengefasst, worauf ich beim Kauf geachtet habe und wo ich mich vorher informiert habe: Hier entlang…

What should I do

Tipps zum Rucksack-Kauf

Ich habe Outdoormagazine durchstöbert, habe mich durch Testberichte gewühlt und war in vielen Fachgeschäften. Erst eine ausführliche Beratung hat mir wirklich geholfen, die richtige Wahl zu treffen.

Gerade für Frauen ist nicht jedes Modell geeignet. Folgende Kriterien waren für mich wichtig:

  • Volumen: mindestens 50l, damit auch Zelt und Schlafsack Platz finden
  • Breite: so gering wie möglich, ich brauche Bewegungsfreiheit für die Arme
  • Farbe: Warum ist Damen-Ausrüstung immer pink? Ich mag auch andere Farben. Für den Rucksack bitte neutral und zeitlos.
  • Rückensystem: verstellbar und anpassungsfähig. Fast alle bekannten Hersteller bieten das an.
  • Schultergurte: an der Brust vorbei und nicht zu nah am Hals.
  • Eigengewicht: maximal 2 kg

Wo habe ich mich vorher online informiert? Meine Top-3-Lesetipps:

  • http://www.bergfreunde.de/basislager/kaufberatung-trekkingrucksack/
  • http://www.campz.de/service-information/outdoorberater/kaufberatung/rucksaecke.html
  • http://www.outdoor-magazin.com/test/rucksaecke/trekkingrucksack-test-2014-rucksaecke-fuer-maenner-und-frauen.1164778.3.htm#1

 

 

 

 

 

Checkliste Rucksack

Wo finde ich endlich den Richtigen?

Seit Wochen grüble ich über dieses Thema. Ich suche online nach Ratschlägen, Tipps und Empfehlungen. Mittlerweile habe ich eine lange Liste mit Punkten zusammengestellt, auf die zu achten ist. Gerade erst habe ich einen weiteren Tipp entdeckt, den ich bisher noch nicht notiert hatte.

Meine Liste besteht aus zwei Spalten. In der zweiten Spalte notiere ich mir, unter welchen Umständen der einzelne Punkt zu beachten ist. Jetzt könnte ich anfangen, die Auflistung zu priorisieren, also male ich alles Wichtige bunt an. Übersichtlich ist die Liste jetzt nicht mehr. Checkliste Rucksack

Zum Glück kann man Notizzettel in OneNote benennen! Sonst wüsste ich jetzt genauso wenig wie ihr, worum es eigentlich geht: Ich möchte einen Rucksack kaufen.

Im Moment reicht mir noch ein kleiner Rucksack. Meine Touren sind bisher nicht über einen Tag hinaus gegangen. Ich habe mir das Ziel gesetzt, im nächsten Jahr eine längere Tour über mehrere Tage zu machen. Dafür ist ein passender Rucksack nötig. Ich stöbere seit einiger Zeit in den verschieden Magazinen nach Merkmalen, die ein idealer Rucksack haben sollte. In einem sind sich alle Magazine und Blogger einig: Die Größe hängt von den Tourplänen ab. Wo soll es hin gehen? Wie lange? Zu welcher Jahreszeit? Doch das weiß ich selbst noch nicht so genau.

Am Montag war ich sogar in verschiedenen Geschäften um mir einige Modelle anzusehen. Zudem wollte ich herausfinden, ob es in den Stores im Outlet Wertheim Village überhaupt eine Auswahl von Rucksäcken gibt. Um 10 Uhr öffnen dort die Geschäfte und bereits um 10:15 Uhr war der Parkplatz gefüllt. Die einzelnen Shops waren ebenso voll von Menschen, die Gutscheine einlösten und sich mit Ski-Ausrüstung eindeckten. Das Verkaufspersonal hatte gut zu tun und stand beratend zur Seite so gut es ging. Ich denke, ich komme außerhalb der Ferienzeit wieder, mit Zeit und Ruhe. Sicherlich kann ich dann besser die Rucksäcke testen und Fragen stellen.

Für nächste Woche plane ich einen Abstecher in größere Filialen der Outdoor-Ausstatter. Ich hoffe schon jetzt auf gute Beratung noch mehr hoffe ich, fündig zu werden! Immerhin muss ich mich noch an einen größeren Rucksack gewöhnen. Das sinnvolle Packen möchte ich auch vorher üben. Es gibt nichts unangenehmeres als Taschen, die sich nicht wieder gut packen lassen.

Wald bei Vorjurastraße

(Keine) Zeit zum Nachdenken

Es ist Montag und ich habe frei. Das könnte ich jede Woche aufs Neue erwähnen, denn es ist wirklich schön, von der montäglichen Hektik verschont zu sein. Meine Arbeitswoche beginnt am Dienstag und endet Samstag. Nun ja, das mag für viele ein Nachteil sein.

Heute bin ich allein zu Hause und denke: ein fauler Tag auf dem Sofa, das wäre mal wieder schön. Ich frühstücke in Ruhe und schaue verträumt aus dem Fenster. Ich spüre ein leichte Unruhe in mir. Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Im Radio höre ich den Wetterbericht, es soll heute maximal leichte Schauer geben. Die Temperaturen angenehm bei 17 Grad. Herrliches Wetter, denke ich. Nicht zu warm und nicht zu kalt für – ja, wofür eigentlich? Um auf dem Sofa zu lümmeln?

Ich wäge noch kurz ab, ob mir ein Wandertag weniger Spaß machen könnte und entscheide: Nein, Wandern ist besser.

Nach einigem Stöbern stoße ich auf eine Route, die recht interessant klingt: Traumpfade Fränkischer Dünenweg

Da ich heute kein Auto zur Verfügung habe, suche ich nach einer Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Leider gibt es auf den Strecken Baustellen und es fallen einige Linien komplett aus. Schade, dann verschiebe ich diese Route lieber. Stattdessen entscheide ich mich für eine 11-Kilometer-Tour mit dem klangvollen Namen “Vor den Toren der Südstadt“.

Meine neuen Wanderschuhe müssen eingelaufen werden – warum nicht heute? Die Route scheint ideal: Sandwege, teilweise asphaltiert, Waldboden.

Ein bisschen Proviant packe ich mir ein: Filterkaffee im Thermobecher von Emsa, ein Stück Gouda, Weintrauben. Eine süße und eine salzige Brezel kaufe ich am Hauptbahnhof beim Brezen Kolb.

Start der Tour ist Reichseldorf und ist mit der S-Bahn-Linie 2 zu erreichen ab Hauptbahnhof Nürnberg. Ich muss eine halbe Stunde warten, bis die nächste Bahn fährt.

Im Zug stelle ich fest, dass mein Handyakku bei ca. 30% ist. Ich denke noch: “Das wird reichen für die paar Kilometer. In 4 Stunden bin ich wieder zuhause.”

In Reichelsdorf angekommen, brauche ich erst einen Moment für die Orientierung um mein erstes Wandersymbol zu finden, die Jakobsmuschel. Diesem Symbol folge ich über die Vorjurastraße, in den Wald bis zum Main-Donau-Kanal. Ich gehe weiter immer Richtung Pillenreuth und kann schon bald aus der Ferne den Königshof sehen.

Im Online-Archiv des Nürnberger Stadtlexions lerne ich, dass der Königshof heute unbewohnt ist und nur noch als Unterstand für Tiere dient. Ende des 18. Jahrhundert wurde der Hof am Ufer des Weihers gebaut von Karl Wilhelm Welser. Die Einöde gehörte zur Gemeinde Worzeldorf. In den und wurde erst in den 1970er Jahren nach Nürnberg eingemeindet.

Kurz vor dem Gehöft, mache ich eine Kaffeepause und genieße die Aussicht. Ein weites Feld, Bäume in der Ferne und nur hier und da kommen Spaziergänger vorbei.

Hinter dem Hof geht der Weg weiter und hier verlaufe ich mich. Mitten durch den Wald schängelt sich ein Trampelpfad durch, der an einigen Stellen fast wie ein offizieller Weg aussieht. Unterwegs treffe ich ein Sonnengesicht, geschnitzt in einen Baumstamm. Leider habe ich keinen Vermerk des Künstlers gefunden. Wer hat das Gesicht gemacht?

Zwischen Sträuchern, Bäumen und Büschen hilft mir die GPS-Funktion meines Handys wieder auf den richtigen Weg. Schon bald komme ich an der nächsten Etappe, der Schleuse an. Jetzt ist klar, ich bin wieder auf meiner Route. Ich nehme mir etwas Zeit und gehe den alten Ludwig-Main-Donau-Kanal entlang. Seerosen ruhen auf der Wasseroberfläche.

Weiter geht der Weg mit dem Wandersymbol grüner Punkt – in den Wald hinein. Die Augen nicht auf dem Weg sondern auf die Natur gerichtet. Hier und da verlasse ich den Weg und gehe zwischen den Bäumen entlang. So viel zu entdecken! Eine kleine Pause mache ich zwischen Stock und Stein. Mein Proviant ist nun aufgegessen, es bleibt noch ein bisschen Wasser.

Mit meinem Samsung S5 fotografiere ich fast jeden Meter, denn heute bin ich besonders verzaubert von der Natur. Unterwegs komme ich an einem Kohlemeiler vorbei und einem Sandbad. Lehrpfade gibt es zahlreiche in der Gegend und ich schätze das sehr. Es dauert nicht lange, bis ich feststelle, dass ich im Kreis gelaufen bin und wieder vor der Schleusenbrücke stehe.

Oh je! Mein Akku zeigt nur noch 5% an und jetzt wird mir auch bewusst, dass es schon recht spät ist. Andere Spaziergänger sind kaum noch zu sehen. Die ursprünglich 4 Stunden bis ich zu Hause bin, habe ich schon erreicht. Es ist kurz vor 17 Uhr und mein Magen meldet sich.

Ich überlege nicht lange, sondern mache mich auf den Weg Richtung Wohnhäuser – sicher fährt hier ein Bus Richtung Hauptbahnhof. Als ich am Falkenheim, in der Nähe vom Südfriedhof ankomme, ist mein Handy in den Energiesparmodus gewechselt. Mit dem Bus fahre ich bis Langwasser, steige dort in die U-Bahn ein und wechsel am Hauptbahnhof in die Tram. Zuhause angekommen, bin ich so hungrig, dass ich zum Kochen keine Motiviation mehr habe. Eine Brotzeit reicht heute.

Bevor ich schlafen Weisheit in Steingehe, lasse ich die heutige Wanderung noch einmal vor meinen Augen aufleben und betrachte die Fotos. Viele sind leider nicht gut geworden, aber sie zeigen deutlich, wie schnell das Tageslicht sich schon verändert hat.

Mein letzter Gedanke des heutigen Tages gilt dem Satz, den ich auf einem Stein entdeckte: “Zeit zum Nachdenken! Vor dir der Beginn des Aufschwungs, hinter dir das Resultat. Wohin soll das noch führen? Zeit zum Nachdenken” (r.zeh Lebensraum Regenwald e.V.)

 

Nachgedacht habe ich heute gar nicht. Ich habe mich ganz auf den Weg eingelassen und keinen Gedanken an Alltägliches verschwendet.

 

Arena di Verona

Ich habe einfach meinen Rucksack gepackt

… und bin nach Verona gefahren.

Packen, Zugticket buchen, Zimmerpflanzen gießen – Das waren die 3 Punkte auf meiner Liste. Ich stand vor meinem Kleiderschrank und griff zu den sommerlichen Sachen. 1 Rock, 1 Short, 3 T-Shirts, Sandalen und 1 Paar Turnschuhe – um das Nötigste ergänzt und fertig. Alles andere wird sich schon finden, dachte ich.

Am Nürnberger Hauptbahnhof angekommen, suchte ich mein Gleis und besorgte mir auf dem Weg dorthin Proviant bei Coffee Fellows. Ich mag diese Franchise-Kaffee-Lädchen wirklich! Am liebsten bestelle ich einen großen Cappucino und dazu einen Bagel.

Los geht es! Einen Umstieg hatte ich, in München. Danach standen mir 6,5 Stunden Zugfahrt bevor in einem Eurocity. Ich habe mir einen Sitzplatz in einem Abteil reserviert. Ich finde, das ist angenehmer. Man hat mehr Beinfreiheit und Platz für das Gepäck. Außerdem sind die EC-Züge noch nicht erneuert und das weckt in mir immer eine gewisse Reise-Nostalgie.

Ich teilte mir das Abteil mit einer Frau in meinem Alter, sie heißt Dascha. Geboren in Polen, studiert in Köln, jobbt in Belgien und München und lebt ansonsten in Bozen. Mit großen Augen hörte ich ihr zu und stellte mir so ein Leben spannend vor! Doch im Laufe des Gespräches wird klar, dass es nur zum Teil spannend ist. Der Zeitdruck, die Verspätung von Zügen, unzuverlässige Mitfahrgelegenheiten und die hohen Fahrtkosten. Das sind die weniger romantischen Seiten ihres Lebens.

Sie fragte, wie ich lebe. Wie ich so von meinem Leben erzähle, stellte ich fest, dass auch ich pendle. Mein Lebensmittelpunkt ist zwar im Moment in Nürnberg. Aber regelmäßig fahre ich nach Mondfeld, nach Würzburg oder sonst wo hin um jemanden zu besuchen und etwas zu unternehmen. Sie sagte, dass sie mich beneide, denn ich hätte aus ihrer Sicht ein ruhiges und bodenständiges Leben mit genug Abwechslung, dass es spannend ist. Sie findet, ich habe zwei Orte, an denen ich zuhause bin. In der mittelfränkischen Großstadt und im kleinen Dorf am Main. Wir saßen eine Weile schweigend und sehen aus dem Fenster, wie die Landschaft an uns vorbei zieht. Schon längst haben wir die Alpen erreicht und gondelten nun durch Südtirol. Kurz bevor sie aussteigt, tauschen wir unsere Handynummern aus. Sie gab mir noch ein paar Tipps, was ich in Verona nicht verpassen sollte und stieg in Bozen aus.

Es dämmert schon als mein Zug in Verona einfährt. Da stand ich nun mit meinem Rucksack, müde und voller Freude. Es dauerte nicht lang, bis ich von meinem Lebensgefährten und seinem italienischen Kollegen abgeholt wurde. Mein Lebensgefährte hatte beruflich dort zu tun und im Grunde nur Zeit für gemeinsames Frühstücken und Abendessen. Die Tage hatte ich für mich.  So ergab sich die Gelegenheit, in San Bonifacio, das ist ungefähr 30 Kilometer entfernt von Verona, sehr günstig zu übernachten für ein Wochenende.

San Bonifacio ist eine Gemeinde zwischen Verona und Vicenza. Wenn man in das Örtchen fährt, bekommt man den Eindruck, dass es ein kleines Dorf ist. Es sind aber über 21 Tausend Einwohner dort gemeldet! Der Bahnhof von diesem verschlafenen Ort, ist eine Haltestelle auf der Bahnstrecke Mailand-Venedig. Und Verona liegt ebenfalls auf dieser Strecke. So bin ich sehr einfach nach Verona gekommen, ohne mich auf die italienischen Autofahr-Gewohnheiten einstellen zu müssen.

Der Aufgang zum Bahnhof erinnerte mich an Berlin und viel weniger an eine Urlaubsregion.

Nur 30 Minuten dauerte die Fahrt, so dass ich zum späten Frühstück bereits in Verona war.  In wenigen Minuten erreichte ich zu Fuß die Innenstadt. Das Wetter war sommerlich und so spazierte ich einfach drauf los.

Die erste Sehenswürdigkeit, ist gleich die imposanteste: Arena di Verona. Wikipedia verrät mir, dass es ungefähr 30 nach Christus erbaut worden sei und das zweitgrößte seiner Art ist.

Hineingegangen bin ich nicht. Mir hat der Anblick von außen gereicht! So beeindruckend! Mein nächstes Ziel, ist ein ganz typisches Touristenziel. Als geheime Romantikerin, musste auch ich diesen Ort ansteuern: Der Balkon von Julia bzw. Casa di Guilletta.

Etwas ernüchternd fand ich jedoch, die Menschenmassen und die Unmengen gekauter, alter Kaugummis. Ein kleiner Store direkt nebenan, bietet die verschiedensten Souvenirs an. Von Shakespeer-Büste bis hin zu bestickten Kochmützen.

Neben diesen berühmten Sehenswürdigkeiten, bietet Verona auch eine Auswahl an Geschäften. Nach einer Portion Pasta, bin ich shoppen gegangen. Wie jede Frau, denken sicher die männlichen Leser. Ich finde, in Italien kann man die besten Schuhe kaufen! Und es war heiß, ich brauchte dringend Sandalen.

Erst spät am Abend bin ich zurück nach San Bonifacio gefahren. Ich konnte kaum schlafen, denn Verona ist eine Stadt, die Eindrücke hinterlässt. Und obwohl ich diese Reise im Grunde allein gemacht habe, hat mir nichts gefehlt.

Wer sich für das Allein-Reisen interessiert, dem kann ich diesen Blog empfehlen: flügge  Die Autorin Susanne gibt Inspiration, motiviert und wischt alle Gegenargumente weg!